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Steine zum Nachdenken

Niemiecki
Europakarte mit Berlin. Großaufnahme eines Stolpersteins

Die Gedanken sollen darüber stolpern

Uns waren diese kleinen quadratischen Steine mit Namen und Daten auf der Straße aufgefallen. Wir wollten mehr darüber wissen. Deshalb haben wir Schüler*innen einer 10. Klasse in Berlin-Kreuzberg interviewt, die sich intensiv mit Stolpersteinen beschäftigten.

Warum nennt man diese Steine Stolpersteine?

Wenn man läuft, sollte man in Gedanken darüber stolpern und sich überlegen, wozu sie gut sind, was sie überhaupt darstellen.

Wer hatte die Idee, Stolpersteine zu legen?
Der Kölner Künstler Günter Demnig wollte mit dem Projekt an Menschen erinnern, die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Die ersten Steine wurden 1996 in Berlin-Kreuzberg ohne Genehmigung verlegt. Straßenarbeiter haben sie entdeckt. Sie fragten das Tiefbauamt, was sie machen sollten. Die Antwort war, dass die Steine raus müssen. Darauf gab es einen politischen Streit, den die Stolpersteine-Initiative gewonnen hat.

Arbeitstafel zur Verlegung eines StolpersteinesBraucht man also keine Genehmigung, um einen Stolperstein zu legen?
Nicht in Berlin. Aber wir fragen die Leute im Haus, ob sie damit einverstanden sind, dass ein Stein vor ihrer Tür verlegt wird.

Was macht ihr genau?
Zuerst gehen wir in die Archive und sehen uns Akten von ermordeten Menschen an. Wir suchen uns eine Person aus. Dann schreiben wir alles auf, was in den Akten steht. Wir teilen uns in kleinen Gruppen auf. Später schreibt jede Gruppe noch einen Text dazu.

Arbeitstafel für die Stolpersteine für das Ehepaar Ringer

Was für Texte schreibt ihr?
Wir schreiben Texte über das Leben der Ermordeten. Anhand der Informationen stellen wir uns vor, wie sie gelebt haben oder was ihnen durch den Kopf gegangen ist, als sie deportiert wurden. Dann lesen wir die Texte bei der Steinlegung vor.

Wie wird ein Stein gelegt?
Der Stein wird dort gelegt, wo die Person zuletzt wohnte. Da versammeln sich Menschen und dann wird ein Loch in den Boden gebuddelt.

Stolpersteine des Ehepaars Adolf und Emma Ringer in Berlin-KreuzbergWie viel Geld braucht man, um einen Stolperstein zu legen? Wer gibt euch das Geld?
Ein Stolperstein kostet 120 €. Oft wird es von den Leuten im Haus gespendet oder es gibt einzelne Spender.

Was hat euch dazu bewegt, Stolpersteine legen zu wollen?
Wir hatten verschiedene Bücher über die Juden im Dritten Reich gelesen und die Lehrerin hat uns das Projekt angeboten. In dieser Schule werden nur Schicksale von Juden verfolgt. Stolpersteine gibt es aber für alle Opfer des Nationalsozialismus

Nach der Diskussion in der Schule sind wir mit zwei Schülerinnen in die Hornstraße gefahren. In dieser Kreuzberger Straße wohnten viele Juden in den dreißiger und vierziger Jahren. Die durch Hitler erlassenen Gesetze zwangen oft Juden, ihre alte Wohnung und ihr Stadtviertel zu verlassen. Sie durften dann nur noch in Häusern wohnen, wo viele andere Juden wohnten und mussten sogar die Wohnungen mit mehreren Familien teilen.
Die Schülerinnen zeigten uns die Stolpersteine, die sie für das Ehepaar Eva und Adolf Ringer im Rahmen ihres Projekts realisiert haben.

Sie lasen uns auch Texte vor, die sie zur Begleitung der Steinlegungen geschrieben hatten.
Ein Text erzählte über den Transport eines Mannes in einem Viehwagen auf dem Weg zu einem Konzentrationslager. Und alles, was ihm durch den Kopf gegangen sein kann. Es war schon interessant, auch wenn es ein bisschen traurig war.

Interview: Alina, Anastasia, Clara und Emilia mit den Schüler*innen einer 10. Klasse der Carl-von-Ossietzky-Oberschule
Fotos: Alina und Anastasia
Text, Zeichnungen und Foto: © Grand méchant loup | Böser Wolf
Was sind Stolpersteine und wozu sind sie da